Nr 07 | 19.04.2024

Trendumkehr geht weiter, aber etwas abgeschwächt: EU hat hohe Bedeutung

Trendumkehr geht weiter, aber etwas abgeschwächt: EU hat hohe Bedeutung

1

In der österreichischen Bevölkerung ist die Bedeutung der EU weiterhin hoch. Mittlerweile ist etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung davon überzeugt, dass die Mitgliedschaft Österreichs in der EU zumindest ziemlich wichtig ist. Dies ist der dritthöchste Wert in der Bedeutung seit 1996 und scheint die Trendumkehr von 2016 noch einmal zu bestätigen. Insgesamt schwächt sich die Bedeutung im Vergleich zu 2022 aber etwas ab.

Knapp jede:r Zweite geht von Vorteilen aus und fühlt sich als Europäer:in

2

Knapp jede:r Zweite ist sich auch sicher, dass der Beitritt zur Europäischen Union eher Vor- als Nachteile brachte. Seit 2014 hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt. Genau genommen sind es nun 45 Prozent, die den Beitritt Österreichs zur EU eher als Vorteil sehen. Gegenteiliger Meinung sind demnach 28 Prozent.

Absolute Mehrheit für den Verbleib, rund ein Fünftel für den Austritt - Großer Warteraum

3

Dem sogenannten Auxit - also dem österreichischen Austritt aus der EU - würde sich rund ein Fünftel, also genau genommen 22 Prozent, anschließen. Die absolute Mehrheit spricht sich aber eindeutig für den Verbleib aus. Ungewöhnlich für eine Befragung ist der Anteil von rund einem Viertel, das hierzu keine Angabe macht – der Warteraum der Unentschlossenen ist somit gut gefüllt und könnte das Zünglein an der Waage sein, falls diese Frage einmal konkreter diskutiert werden sollte.

Europa schlittert seit Jahren von einer Krise in die nächste und hat mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine auf dem eigenen Kontinent nun einen weiteren Rückschlag erlitten. Dazu kommen seit 2008 viele Krisen in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht, aktuell vor allem im Bereich der Teuerung und Inflation, des Klimawandels, der Migrationswelle und der vermeintlichen Desindustrialisierung. Vielleicht hat gerade deswegen im Bewusstsein der Österreicher:innen die Bedeutung der Mitgliedschaft in der EU zugenommen. Die zentrale Veränderung im Meinungsklima konnte 2016 erstmals gemessen werden, nun bestätigt sich diese Entwicklung in der aktuellen Messung, wenn auch etwas abgeschwächt.

Genau genommen sind aktuell 54 Prozent der Österreicher:innen der Meinung, dass die Mitgliedschaft Österreichs in der EU sehr oder ziemlich wichtig ist. Rund ein Drittel lehnt die Bedeutung ab (nicht besonders / gar nicht wichtig).

Nach soziodemografischen Kriterien zeigt sich vor allem ein Bildungsgefälle: Personen mit höherer Bildung schätzen die Bedeutung überdurchschnittlich hoch ein. Nach Alter und Geschlecht sind nur kleinere Unterschiede sichtbar.

Der Trend seit 1996 ist sicherlich sehr interessant: Während die Österreicher:innen in den Messungen bis einschließlich 2014 der EU-Mitgliedschaft mehrheitlich eine geringe Bedeutung beigemessen haben, hat sich dies deutlich geändert. Im Verhältnis 54 zu 35 überwiegt nun die hohe Bedeutung der EU-Mitgliedschaft. Die aktuelle Messung sieht die beiden Antwortpole wieder etwas zusammenrücken.

Die Vorteile der EU überwiegen ebenfalls deutlich im aktuellen Meinungsklima. Knapp jede:r zweite Österreicher:in meint, dass der Beitritt Österreichs unserem Land eher Vorteile gebracht hat. Vom Gegenteil sind 28 Prozent überzeugt. Insgesamt gibt es in dieser Frage aber auch eine hohe Anzahl an Unentschiedenen, die sich nicht deklarieren können oder wollen. Personen mit höherer Bildung sind überdurchschnittlich stark von den Vorteilen überzeugt.

Auch hier ist eine Trendumkehr in etwas abgeschwächter Form wiederum bestätigt: Während in den Jahren seit dem Beitritt die Nachteile im Bewusstsein der Bevölkerung deutlich überwogen, liegt nun der Vorteil im Verhältnis 45 zu 28 voran.

Wichtiger Trend zum Abschluss dieses Reports: 47 Prozent der Österreicher:innen fühlen sich ziemlich stark (Note 6+7) als Europäer:innen, nur etwa jede:r Achte verneint dies. Dieses Zugehörigkeitsgefühl geht nun aber bereits zum zweiten Mal etwas zurück, 2019 waren es noch mehr als drei Fünftel, die sich als Europäer:innen fühlten. Die hohe Identifikation als Europäer:in geht somit seit 2019 um fünfzehn Prozentpunkte zurück. 

Dem sogenannten Auxit - also dem österreichischen Austritt aus der EU - würde sich rund ein Fünftel, also genau genommen 22 Prozent, anschließen. Die absolute Mehrheit spricht sich aber eindeutig für den Verbleib aus. Ungewöhnlich für eine Befragung ist der Anteil von rund einem Viertel, das hierzu keine Angabe macht – der Warteraum der Unentschlossenen ist somit gut gefüllt und könnte das Zünglein an der Waage sein, falls diese Frage einmal konkreter diskutiert werden sollte.


Dokumentation    

Zeitraum der Umfrage: 7. – 29. Februar 2024

Sample: n=1.055 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face, Mehr-Themen-Umfrage, IMAS International Eigenstudie

Archiv-Nummer der Umfrage: 024021

Vollständiger Report mit zusätzlichen Charts

Diese Reports könnten Sie auch interessieren

  • 12 | 2024 Shorty: Der Optimismus kommt zurück – aktuelles Ergebnis zeigt Trend zu mehr Zuversicht, wenn auch unterdurchschnittlich
    Zeitraum der Umfrage: 1972 - 2024
    Mehr erfahren
  • 11 | 2024 32 % in Österreich kochen täglich, 28 % mehrmals pro Woche – Trend zum Kochen steigt
    Mehr als 80 Prozent der Österreicher:innen greifen grundsätzlich zumindest monatlich zum Kochlöffel, zur Backform oder zur Grillzange. Das Kochen ist besonders stark in der Bevölkerung verankert – über 70 Prozent bereiten zumindest monatlich zu Hause selbst frische Gerichte zu, ein knappes Drittel sogar täglich. Das Ba-cken wird von rund 40 Prozent und das Grillen von rund der Hälfte der Österreicher:innen – zumindest monatlich – praktiziert. Kochen und Backen sind immer noch stark weibliche Domänen. Das Grillen hingegen liegt relativ ausgeglichen in der Präferenz der Geschlechter, wobei Männer etwas stärker vertreten sind. Die Motivlagen sind eindeutig: Fürs Kochen sprechen die gesunde Ernährung und die grundsätzliche Notwendigkeit, fürs Backen die Präferenz von selbst Gebackenem und die Anlassbezogenheit und fürs Grillen wird vor allem die passende Sommerzeit ins Treffen geführt.
    Mehr erfahren
  • 10 | 2024 Geschlechterneutrale Sprache: Kenntnis relativ hoch, aber Verwendung gering
    Nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in anderen Bereichen der österreichischen Sprachwelten, ist die Anwendung geschlechtsneutraler Formulierungen immer stärker präsent. In der Öffentlichkeit wurde in den letzten Jahren beispielsweise nicht nur durch die adaptierte Version der Bundeshymne, die Überarbeitung von Schulbüchern usw. eine kontroversielle Diskussion über die Notwendigkeit des Gebrauchs einer geschlechtsneutralen und geschlechtergerechten Sprache geführt, sondern mittlerweile füllt diese Entwicklung auch Wahlprogramme von Parteien. In manchen Bereichen der Verwaltung ist sie indessen untersagt.
    Mehr erfahren
  • 09 | 2024 Notwendigkeit von Reformen steht außer Streit - Aber Reformträgheit herrscht vor
    Die Alpenrepublik befindet sich in diesem Jahrzehnt in einem permanenten Krisenmodus: Als Beispiele dafür können Corona, die Inflation und Teuerung, der Krieg in Europa, der Klimawandel und die Migrationskrise als die wichtigsten Herausforderungen der Gegenwartsgesellschaft genannt werden.
    Mehr erfahren
Alle anzeigen