Nr 06 | 28.12.2022

51. IMAS-Neujahrsumfrage - Triple Tiefpunkt - Fortsetzung des Pessimismus - Teuerung statt Corona - drei Fünftel sehen 2022 als kein gutes Jahr - Vorsätze konstant bei einem Drittel

Die aktuelle Neujahrsfrage zeigt eine hohe Stabilität des Pessimismus. Dreimal in Folge überwiegen Skepsis und Sorge deutlich gegenüber der Zuversicht. Eine Phase einer solchen negativen Stimmung gab es seit 1972 nicht, noch nie war die Zuversicht über drei Messungen hintereinander unter 30 Prozent. Diese Dekade startet so schlecht wie noch nie ein Jahrzehnt. In den letzten drei Jahren haben sich die Krisen die Türklinke in die Hand gegeben, nun löst nicht mehr Corona die tiefen Sorgenfalten aus, sondern die Teuerung.

Aktuell liegt die Zuversicht nun weiterhin auf einem historischen Tiefpunkt von 26 Prozent, die Sorgenfalten sitzen mit 35 Prozent fast so tief wie letztes Jahr und der skeptische Blick auf 2023 wird von rund einem Drittel geteilt. Besonders besorgt sind Menschen ab 60 Jahren.

Auf die offene Nachfrage zur persönlichen Einschätzung der kommenden 12 Monate kommt nicht überraschend in nahezu jeder Ausprägung die Teuerung dominant zum Vorschein. Dies im Gegensatz zu den Vorjahren, damals beherrschte die Corona-Situation die Gemütslage von Herrn und Frau Österreicher. Als Sorgenthema hat die Pandemie zumindest vorübergehend abgedankt.

Der Rückblick auf das letzte Jahr 2022 ist sehr bescheiden, nur wenige halten dieses Jahr für ein sehr gutes. Im Vergleich zur positiven Bewertung insgesamt von 2019 zeigt sich nun ein gegensätzliches Bild.

Jeder Dritte hat sich für das kommende Jahr Vorsätze vorgenommen. Interessanterweise ist die Gruppe derjenigen, die sich zum Jahresbeginn Vorsätze vornimmt, konstant. Unabhängig von den unterschiedlichen Grundstimmungen variiert diese Anzahl kaum. Mehr Bewegung steht für 2023 hoch im Kurs.

Der Blick der Österreicher:innen auf das kommende Jahr wurde heuer bereits zum 51. Mal seitens des IMAS Instituts erhoben und zeigt die Bestätigung der dramatischen Veränderung des letzten Jahres: Im Gegensatz zum Jahr 2019 gibt es heuer wiederum – wie in den letzten beiden Jahren – eine sehr negative Grundstimmung. Nur 26 Prozent der Befragten bezeichnen die eigene Stimmung als zuversichtlich, 32 Prozent als skeptisch und 35 Prozent sind besorgt.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Ergebnisse relativ konstant. Menschen mit höherer Bildung und jüngerem Alter sind optimistischer als ihrer sozialen Gegengruppen. In der Bevölkerungsgruppe 60+ überwiegt die Sorge mit 47 Prozent.

Die Motivlage hinter der 51. Neujahrsfrage bringt näheres Verständnis dieses Meinungsbildes im Hinblick auf das neue Jahr:

  • Die zuversichtlich gestimmten Personen sind dies aufgrund ihrer persönlichen positiven Überzeugung. Auch das Motto "es kann nur noch besser werden" ist zentral.
  •  Die skeptische Grundhaltung wird genährt durch die Teuerung, die Unsicherheit und den Krieg in der Ukraine.
  •  Diejenigen, die mit Sorge auf 2023 blicken, tun dies hauptsächlich aufgrund der Teuerung. Ergänzt wird dies durch den Ukraine Krieg und die Ungewissheit.

Der Blick auf das vergangene Jahr ist besonders fatal, nur vier Prozent halten das Jahr 2022 für ein sehr gutes, weitere 31 Prozent für ein ziemlich gutes. 3 von 5 gehen vom Gegenteil aus. Der Trend zum Vorjahr ist aber leicht positiv. Betrachtet man die Nullerjahre im Vergleich zur aktuellen Dekade zeigt sich ein gegensätzliches Bild. Die erste Dekade des neuen Jahrtausends war im Verhältnis 60 zu 40 positiv geprägt.

Hoffnungen für das Jahr 2023: Gesund zu bleiben, die persönliche positive Lebenssituation, Friede und die Abflachung der Teuerung sind zentrale Erwartungen für das kommende Jahr. Im Trend zeigen sich auch deutliche Veränderungen.

Für 2023 hat sich ein Drittel der Bevölkerung bereits Vorsätze vorgenommen. Gerade die Weihnachtsfeiertage und der Beginn des neuen Jahres sind psychologisch gesehen eine kleine "Zäsur" im Bewusstsein der Österreicher:innen. Im Durchschnitt fassen jene Personen, die sich für das neue Jahr etwas vorgenommen haben, etwa vier Vorsätze.

Personen mit höherer Bildung, Menschen unter 35 Jahren und Frauen haben überdurchschnittlich häufig Vorsätze gefasst. Insgesamt ist die Gruppe derjenigen, die Vorsätze haben, stabil zu den letzten Jahren. Die häufigsten Vorsätze sind: Mehr Bewegung zu machen, sich gesünder zu ernähren und bewusster zu leben.

Insgesamt ist leider festzuhalten, dass der große Hoffnungsschimmer des letzten Jahres deutlich verschwunden ist. Vor 12 Monaten konnte noch die Volatilität der Daten als Hoffnung angeführt werden, also die Perspektive, dass 2020 gezeigt hat, dass sich die Grundstimmung auch schnell ändern kann. Leider hat sich dies für 2022 nicht bewahrheitet. Die Konstante im Pessimismus ist beständig.


Dokumentation    

Zeitraum der Umfrage: 9. November – 1. Dezember 2022

Sample: n=1.002 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face, Mehr-Themen-Umfrage, IMAS International Eigenstudie

Archiv-Nummer der Umfrage: 022111

Vollständiger Report mit zusätzlichen Charts

Diese Reports könnten Sie auch interessieren

  • 12 | 2024 Shorty: Der Optimismus kommt zurück – aktuelles Ergebnis zeigt Trend zu mehr Zuversicht, wenn auch unterdurchschnittlich
    Zeitraum der Umfrage: 1972 - 2024
    Mehr erfahren
  • 11 | 2024 32 % in Österreich kochen täglich, 28 % mehrmals pro Woche – Trend zum Kochen steigt
    Mehr als 80 Prozent der Österreicher:innen greifen grundsätzlich zumindest monatlich zum Kochlöffel, zur Backform oder zur Grillzange. Das Kochen ist besonders stark in der Bevölkerung verankert – über 70 Prozent bereiten zumindest monatlich zu Hause selbst frische Gerichte zu, ein knappes Drittel sogar täglich. Das Ba-cken wird von rund 40 Prozent und das Grillen von rund der Hälfte der Österreicher:innen – zumindest monatlich – praktiziert. Kochen und Backen sind immer noch stark weibliche Domänen. Das Grillen hingegen liegt relativ ausgeglichen in der Präferenz der Geschlechter, wobei Männer etwas stärker vertreten sind. Die Motivlagen sind eindeutig: Fürs Kochen sprechen die gesunde Ernährung und die grundsätzliche Notwendigkeit, fürs Backen die Präferenz von selbst Gebackenem und die Anlassbezogenheit und fürs Grillen wird vor allem die passende Sommerzeit ins Treffen geführt.
    Mehr erfahren
  • 10 | 2024 Geschlechterneutrale Sprache: Kenntnis relativ hoch, aber Verwendung gering
    Nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in anderen Bereichen der österreichischen Sprachwelten, ist die Anwendung geschlechtsneutraler Formulierungen immer stärker präsent. In der Öffentlichkeit wurde in den letzten Jahren beispielsweise nicht nur durch die adaptierte Version der Bundeshymne, die Überarbeitung von Schulbüchern usw. eine kontroversielle Diskussion über die Notwendigkeit des Gebrauchs einer geschlechtsneutralen und geschlechtergerechten Sprache geführt, sondern mittlerweile füllt diese Entwicklung auch Wahlprogramme von Parteien. In manchen Bereichen der Verwaltung ist sie indessen untersagt.
    Mehr erfahren
  • 09 | 2024 Notwendigkeit von Reformen steht außer Streit - Aber Reformträgheit herrscht vor
    Die Alpenrepublik befindet sich in diesem Jahrzehnt in einem permanenten Krisenmodus: Als Beispiele dafür können Corona, die Inflation und Teuerung, der Krieg in Europa, der Klimawandel und die Migrationskrise als die wichtigsten Herausforderungen der Gegenwartsgesellschaft genannt werden.
    Mehr erfahren
Alle anzeigen