AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 10 | 2018

 

 
 

GESELLSCHAFTSPOLITISCHE FORSCHUNG: 2018 - JAHR DES UMBRUCHS: DAS COMEBACK DER ZUFRIEDENHEIT

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

Mehr als zwei Fünftel (44%) der Österreicher sind der Meinung, dass die meisten Menschen in der Alpenrepublik mit ihrer Lebenssituation zufrieden sind. Etwas mehr als ein Drittel (37%) ist vom Gegenteil überzeugt, ein knappes Fünftel kann dazu keine Angabe machen. Bereits in der Jännermessung war in dieser Fragestellung eine beachtliche Trendumkehr in Hinblick auf die mittel- und langfristigen Forschungsergebnisse zu erkennen, welche nun durch die aktuelle Messung bestätigt wird. Seit 2006 konnte keine so deutliche Zufriedenheit mehr in Österreich gemessen werden wie im Jänner und April dieses Jahres. Auch bei der quartalskontinuierlichen Messung dieser Fragestellung seit 2013 war die Differenz zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit noch nie so positiv wie im Jänner 2018. In der aktuellen Dekade erschien der Bevölkerung die Grundstimmung im Jänner 2016 am negativsten, im Langzeittrend der letzten vier Jahrzehnte im Dezember 2007 und 2008. Ein besonders positives Stimmungsklima konnte 1984 und 1985 gemessen werden. Damals ist jeder Zweite von einer allgemeinen Zufriedenheit in der Bevölkerung ausgegangen. Beleuchtet man das aktuelle Ergebnis nach soziodemografischen Aspekten, sind Männer und Frauen nahezu ident in ihrem Stimmungsbild. Die Gruppe unter 35 Jahren und Personen mit höherer Schulbildung sehen überdurchschnittlich stark die positive Grundstimmung in der Bevölkerung verankert.

Vieles ist in Bewegung, die Gesellschaft dreht sich in vielen Bereichen nicht mehr nur, sondern rotiert bereits stark. Interessanterweise zeigen die Forschungsergebnisse in der ersten Hälfte dieses Jahres in unterschiedlichen Studien größere Verschiebungen im Bewusstsein und Verhalten der Menschen.

Beispielsweise stieg die vermutete Wirtschaftsentwicklung Österreichs Ende 2017 deutlich an. So ging im Dezember 2017 und März 2018 jeweils ein Drittel davon aus, dass sich die wirtschaftliche Situation verbessern wird, nur ein knappes Fünftel ist vom Gegenteil überzeugt. Dies ist seit Jahren der mit Abstand höchste Wert in der Dimension der besseren Wirtschaftsentwicklung.

Dies sind Veränderungen, die schon länger diskutiert werden, nun aber deutlich sichtbar werden. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel ist in breiten Teilen der Gesellschaft angekommen.

Zu Jahresende 2017 hat sich bereits die Zuversicht deutlich gebessert, die 46. Neujahrsfrage des IMAS Instituts ging eindeutig in Richtung Optimismus (vgl. IMAS Report Nr. 27/2017). Nun zeigt auch die Frage nach der gesellschaftlichen Zufriedenheit eine eindeutige Trendumkehr in bereits zwei Messungen: Mehr als zwei Fünftel der Österreicher sind der Meinung, dass die meisten Menschen in der Alpenrepublik mit ihrer Lebenssituation zufrieden sind.

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Genau genommen sind es im Jänner und April 44 Prozent, die den Eindruck haben, dass ihre persönliche Umgebung alles in allem zufrieden ist. Etwas mehr als ein Drittel ist vom Gegenteil überzeugt, ein knappes Fünftel kann dazu keine Angabe machen.

Dies ist eine beachtliche Trendumkehr in Hinblick auf die mittel- und langfristigen Forschungsergebnisse.

Seit 2006 konnte keine so deutliche Zufriedenheit mehr in Österreich wie in diesem Jahr gemessen werden. Bei der quartalskontinuierlichen Messung dieser Fragestellung seit 2013 war die Differenz zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit bis Oktober 2017 nie positiv, die Werte schwankten zwischen -2 und -20 Prozentpunkten. Die aktuelle Differenz liegt bei +7 Prozentpunkten (Jänner 2018: +9 Prozentpunkte).

In der aktuellen Dekade erschien der Bevölkerung die Grundstimmung im Jänner 2016 am negativsten, im Langzeittrend der letzten vier Dekaden im Dezember 2007 und 2008. Ein positives Stimmungsklima konnte vor allem 1984 und 1985 gemessen werden. Damals ist jeder Zweite von einer Zufriedenheit in der Bevölkerung ausgegangen.

Beleuchtet man das aktuelle Ergebnis nach soziodemografischen Aspekten, sind Männer und Frauen nahezu ident in ihrem Stimmungsbild.

Die Gruppe unter 35 Jahren und Personen mit höherer Schulbildung sehen überdurchschnittlich stark die positive Grundstimmung in der Bevölkerung verankert.

In den Analysen seit den 80er Jahren – bis zu dieser Trendumkehr – stellte sich die Frage, ob ein höherer Lebensstandard zwangsläufig auch auf einen Zuwachs von Zufriedenheit hinausläuft. 

Die bisherigen Entwicklungen und einschlägigen Ergebnisse des IMAS untermauerten die These, dass die Zunahme von Besitzständen nicht automatisch auch eine größere Zufriedenheit mit der Gegenwart bewirkt. Dem Trend von 1984 bis 2017 ist zu entnehmen, dass der Eindruck einer generellen Lebenszufriedenheit der Bevölkerung parallel zur Wohlstandsvermehrung sogar gesunken ist. Es galt bis zu den Messungen im heurigen Jahr die demoskopische Faustregel: Sinkende Lebenszufriedenheit trotz höheren Lebensstandards. Unter dem Eindruck der aktuellen Zahlen ist dies nun neu zu diskutieren. 

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Einstellungen in dieser Frage in den kommenden Messungen verändern oder stabilisieren werden. 

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 1984 bis 2018

Sample: n~1.000 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Lebenszufriedenheit...