AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 03 | 2018

 

 
 

GESELLSCHAFTSPOLITISCHE FORSCHUNG: 100 JAHRE FRAUENWAHLRECHT – DIE UNTERSCHIEDE IM WAHLVERHALTEN

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

Rund 44 Prozent der Österreicher ist das heurige 100-jährige Jubiläum des Frauenwahlrechts bekannt. Knapp zwei Fünftel der Bevölkerung der Alpenrepublik glauben, dass sich das männliche Wahlverhalten vom weiblichen zumindest einigermaßen stark unterscheidet, für jeden Zweiten trifft das Gegenteil zu. Frauen entscheiden in den Augen der Befragten stärker nach einem allgemeinen Eindruck einer Partei, um kleinere Parteien zu stärken und wegen der Spitzenkandidaten der Fraktionen. Dem Eindruck der Bevölkerung nach orientieren sich Männer in ihrer Wahlentscheidung hingegen eher an ihrem bisherigen Verhalten, wollen größere Parteien stärken oder wählen aus Protest.

Themen und Interessensvertretung nehmen eine ähnlich große Rolle zwischen den Geschlechtern im Bereich der vermuteten Wahlmotive ein. Unter Vorlage unterschiedlicher Themen ergibt sich ein deutliches Frau-Mann Gefälle: Familien- und Kinderbetreuung, Gleichberechtigung und Bildung scheinen Kernthemen des weiblichen Teils der Bevölkerung zu sein. Männern werden hingegen eherdie Wirtschaftsorientierung und Maßnahmen gegen Zuwanderung zugeordnet. Nach wie vor geht die Bevölkerung davon aus, dass Frauen in der Berufswelt benachteiligt werden.

2018 ist ein besonderes Gedenkjahr. Viele markante Ereignisse in der Geschichte Österreichs werden im Laufe des Jahres beleuchtet und diskutiert – also historisch aufgearbeitet und im Bewusstsein der Österreicher wieder verankert. Bereits zum 100. Mal jährt sich auch die Einführung des Frauenwahlrechts.

Der IMAS Forschungsstab ging daher der Frage nach, wie präsent dieses Jubiläum in den Köpfen der Österreicher ist und inwiefern sich das Wahlverhalten zwischen Männern und Frauen unterscheidet.

Rund 44 Prozent der Österreicher ist das heurige 100-jährige Jubiläum des Frauenwahlrechts bekannt, 53 Prozent der Bevölkerung haben davon hingegen noch nicht gehört oder gelesen. Frauen und Personen mit höherer Bildung haben hierbei einen überdurchschnittlich hohen Kenntnisstand.

Knapp zwei Fünftel der Bevölkerung glauben, dass sich das männliche Wahlverhalten vom weiblichen zumindest einigermaßen stark unterscheidet, für jeden Zweiten trifft das Gegenteil zu. Interessanterweise zeigen sich zwischen den beiden Geschlechtern kaum Unterschiede, somit sind ähnlich große Anteile von Frauen und Männern dieser Ansicht.

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Die Wahlentscheidung ist hochemotional und multifaktoriell. Die Faktoren, die auf diese Entscheidung einwirken, werden aber in den Augen der Bevölkerung zwischen den Geschlechtern recht unterschiedlich verteilt. Insgesamt ist zu erwähnen, dass über alle abgefragten Wahlentscheidungsfaktoren zwar zwischen 45 und 61 Prozent der Bevölkerung der Meinung sind, dass diese unter den Geschlechtern gleich stark verteilt sind. Bei den konkreten Zuordnungen zeigen sich aber durchaus deutliche Unterschiede: Frauen entscheiden in den Augen der Befragten stärker nach einem allgemeinen Eindruck einer Partei, eher um kleinere Parteien zu stärken und eher wegen der Spitzenkandidaten der Fraktionen. Auch der Wunsch nach Veränderung wird dem weiblichen Geschlecht stärker zugeordnet. Dem Eindruck der Bevölkerung nach orientieren sich Männer in ihrer Wahlentscheidung hingegen eher an ihrem bisherigen Verhalten, wollen größere Parteien stärken oder wählen aus Protest.

Themen und Interessensvertretung nehmen eine ähnlich große Rolle zwischen den Geschlechtern im Bereich der Wahlmotive ein. Unter Vorlage unterschiedlicher Themen ergibt sich aber ein deutliches Frau-Mann Gefälle: Familien- und Kinderbetreuung, Gleichberechtigung und Bildung scheinen Kernthemen des weiblichen Teils der Bevölkerung zu sein. Männern werden hingegen eher die Wirtschaftsorientierung und Maßnahmen gegen Zuwanderung zugeordnet. Aber auch hier werden größtenteils alle Themenbereiche von den meisten Österreichern beiden Geschlechtern zugeschrieben.

 

Im Rahmen einer offenen Frage (also ohne Vorlage von Antworten), in welchen Bereichen Frauen heutzutage gegenüber Männern benachteiligt werden, zeigt sich folgendes Bild: Nach wie vor geht die Bevölkerung davon aus, dass Frauen im Bereich der Berufswelt benachteiligt werden. Insbesondere im Hinblick auf den Gehalt, im Job allgemein und bei Karriere- und Aufstiegschancen. Kein anderer Bereich wird in einem relevanten Ausmaß genannt. Im Durchschnitt geben Befragte, die eine konkrete Äußerung machen (89%), 1,3 spontane Rückmeldungen. Frauen äußern die Benachteiligung in der Berufswelt häufiger als Männer. 

 

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 6. Dezember 2017 – 1. Jänner 2018

Sample: n=1.037 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 017121

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Frauenwahlrecht...