AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 01 | 2018

 

 
 

NACHWAHLANALYSE: FAKE NEWS IM NR-WAHLKAMPF 2017 – FALSCH- UND FEHLINFORMATIONEN IM NETZ GEFÄHRDEN DIE GESELLSCHAFT – VERGLEICHSMESSUNG

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

Unmittelbar vor bzw. knapp nach der Nationalratswahl waren sich rund drei Fünftel der Österreicher sicher, dass sogenannte Fake News das Wahlergebnis rund um den 15. Oktober 2017 zumindest einigermaßen stark beeinflussen werden bzw. beeinflusst haben.

Im Befund Mitte Oktober bis Anfang November äußerten 60 Prozent der Bevölkerung den Eindruck, dass es im Wahlkampf zu Fake News über Parteien und Kandidaten gekommen ist. Etwas mehr als ein Drittel gab sogar an, eine Information bzw. Nachricht aus den Medien geglaubt zu haben, die sich im Nach-hinein als falsch herausstellte. Drei von vier Österreichern kennen den Begriff Fake News, insbesondere Männer, Menschen mit höherer Bildung und Personen unter 60 Jahren.

Eine Vergleichsmessung zeigt: Trotz der Ereignisse kurz vor der Nationalratswahl (Dirty Campaigning Affäre) führte dies nicht zu einem höheren Kenntnisstand des Begriffs Fake News in der Bevölkerung, aber die Österreicher hatten deutlich stärker den Eindruck, dass Fake News über Parteien und Kandidaten bewusst in Umlauf gebracht wurden. In der zweiten Messung hielten 59 Prozent der Bevölkerung Fake News für eine Bedrohung für die Gesellschaft. Auch dieser Eindruck nahm durch die Affäre deutlich zu.

Die Arbeit in der empirischen Sozialforschung birgt immer wieder Überraschungen durch externe Faktoren bzw. Änderungen von Umständen rund um das Forschungsobjekt. Diese beeinflussen oftmals massiv die Forschungsergebnisse. Somit kommt es hin und wieder vor, dass demoskopische Ergebnisse bereits vor der Veröffentlichung überholt sind, weil sich die Rahmenbedingungen der Befragung geändert haben.

So geschah dies auch kurz vor der Nationalratswahl. In einem intensiven Kooperationsprojekt mit dem Bildungszentrum Sankt Magdalena in Linz wollte der IMAS Forschungsstab den Bewusstseinsbildern und Wirkungen von Fake News rund um die Nationalratswahl empirisch auf den Grund gehen. Viele unterschiedliche Fragen wurden gestellt, die Feldzeit rund zwei Wochen vor der Wahl abgeschlossen und der Bericht schon vorbereitet.

Nicht nur politische Insider wissen nun, welcher äußere Umstand in diesem Zeitraum eintrat, der die bis dahin aktuellen Ergebnisse überholte: die Dirty Campaigning Affäre gegen Sebastian Kurz. Somit waren die gesammelten Eindrücke rund um Fake News nicht mehr auf dem neuesten Stand und der Forschungsstab reagierte mit einer Vergleichsmessung auf diesen äußeren Umstand.

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Leider konnten nicht alle Fragen wiederholt werden, man konzentrierte sich auf die wesentlichsten Aspekte. Somit gibt es je einen empirischen Befund vor dem Aufkommen der Dirty Campaigning Affäre und danach. Dieser IMAS Report beschäftigt sich nun mit der Entwicklung der öffentlichen Meinung dazu.

Die Eckpunkte der Ergebnisse liegen klar auf der Hand: Unmittelbar vor bzw. knapp nach der Nationalratswahl - und damit nach dem Aufkommen der der Dirty Campaigning Affäre - waren sich knapp drei Fünftel der Österreicher zumindest einigermaßen sicher, dass sogenannte Fake News das Wahlergebnis rund um den 15. Oktober 2017 beeinflussen werden bzw. beeinflusst haben. Im Detail ging ein Fünftel von einer sehr starken und zwei Fünftel gingen von einer einigermaßen starken Beeinflussung aus. Nur eine Minderheit von sieben Prozent meint, dass es überhaupt keine Beeinflussung durch Fake News im Wahlkampf 2017 gab. Naturgemäß nahm die Anzahl derjenigen, die eine Beeinflussung vermuten, in der zweiten Messung im Vergleich zur ersten Messung deutlich zu, genau genommen um 14 Prozentpunkte. Ein leichtes Bildungsgefälle und Unterschiede in den sozialen Schichten sind spürbar.

Insgesamt hatten in der zweiten Messung 60 Prozent der Bevölkerung den Eindruck, dass es im Wahlkampf zu Fake News über Parteien und Kandidaten gekommen ist. Im Vergleich ist dies in diesem Meinungsbild eine deutliche Zunahme um 13 Prozentpunkte.

Etwas mehr als ein Drittel gibt sogar an, eine Information bzw. Nachricht aus den Medien geglaubt zu haben, die sich im Nachhinein als falsch herausstellte. In beiden Messzeiträumen geben die Befragten an, gleich viel an persönlichem Irrglauben im virtuellen Raum aufgetischt bekommen zu haben. Somit sind die Ergebnisse dazu stabil.

 Drei von vier Österreichern kennen den Begriff Fake News, insbesondere Männer, Menschen mit höherer Bildung und Personen unter 60 Jahren. Auch hier sind die Ergebnisse stabil, die Begrifflichkeit konnte sich nicht mehr im Bewusstsein der Österreicher steigern.

Im Befund nach dem Aufkommen der Dirty Campaigning Affäre hielten 59 Prozent der Bevölkerung Fake News für eine Bedrohung für die Gesellschaft, insbesondere Menschen mit höherer Bildung und Angehörige höherer Schichten. Im Vergleich nahm diese Gefährdung in den Augen der Österreicher somit deutlich zu.

Diese Vergleichsmessung zeigt: Trotz der Ereignisse kurz vor der Nationalratswahl (Dirty Campaigning Affäre) führte dies nicht zu einem höheren Kenntnisstand des Begriffs Fake News in der Bevölkerung und nicht zu mehr persönlichen „Fake News - Erlebnissen“, aber die Österreicher hatten einen deutlich höheren Eindruck, dass Fake News über Parteien und Kandidaten bewusst in Umlauf gebracht wurden und vermuten viel stärker, dass diese Ereignisse insgesamt eine Wirkung auf das Wahlverhalten aufweisen. Die Gefährdung durch Fake News gilt mehrheitlich als gesichert und somit wäre in den Augen der Bevölkerung ein dringender Handlungsbedarf für die neue Bundesregierung gegeben.

 

 

 

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 14. September – 4. Oktober 2017

Zeitraum der Umfrage: 12. Oktober – 7. November 2017

Sample:n=1.078 / 1.151 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 017091, 017101

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Fake News...