AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren
NR. 22 | 2017

 

 
 

NATIONALRATSWAHL 2017: DIE KERNTHEMEN DES WAHLKAMPFS - DIE AGENDA DER BEVÖLKERUNG

 

 

Die Migrationspolitik ist das wahlbestimmende Thema im aktuellen Wahlkampf 2017: Jeder zweite Österreicher wünscht sich in Fragen des Asyls, der Flüchtlingsproblematik, der Zuwanderung und der Ausländer eine ausführliche Debatte und damit verbundene Maßnahmen.

Mit deutlichem Abstand sind das zweitwichtigste Einzelthema die Altersvorsorge bzw. die Pensionen (25%). Danach folgen Schwerpunkte wie Arbeitsplätze (16%), das Gesundheitssystem (16%), die Sozialpolitik (13%), und Kriminalität/Sicherheit (12%) und die Steuern (12%). Die Jugendarbeitslosigkeit, der Bürokratieabbau und die Aufarbeitung des Reformstaus rangieren am Schluss dieser spontanen, also offen abgefragten, Prioritätenliste.

Fasst man die unterschiedlichen Einzelthemen zu größeren Themenblöcken zusammen, zeigt sich, dass die Sozialpolitik mit allen ihren Facetten wie beispielsweise Gesundheit, Altersvorsorge, Lebensstandard oder Wohnpolitik dem Asyl- und Zuwanderungsthema in der Bedeutung relativ nahe kommt, es aber nicht erreicht.

„Agenda Setting“ ist ein Ausdruck der politischen Kommunikation, die den Versuch der Parteien beschreibt, ihre eigenen Kernthemen und politischen Forderungen in den Vordergrund des öffentlichen Bewusstseins zu stellen. Diesem Anliegen stehen oft die Bedürfniswelten der Österreicher entgegen. Denn nur die Themen, die auch im allgemeinen Interesse liegen, die quasi unter den Nägeln brennen und im eigenen sozialen Kreis diskutiert werden, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit in der modernen Medienwelt reflektiert oder von den Wählern wahrgenommen.

Daher ging das IMAS Institut in den Wochen vor der Nationalratswahl 2017 der Frage nach den wahlbestimmenden Themen auf die demoskopische Spur. Hierbei wurden in einer spontanen, also ungestütz-ten, Fragestellung die TOP-Prioritäten der Österreicher in einem Ranking erfasst.

Eindeutig ist sicherlich - im Befragungszeitraum von 17. August bis 11. September - dass vor allem ein politisches Themenfeld unumstritten auf Platz eins im Bewusstsein der Österreicher liegt: Die Migrationspolitik ist das wahlbestimmende Thema im aktuellen Wahlkampf 2017.

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 Jeder zweite Österreicher wünscht sich in Fragen des Asyls, der Flüchtlingsproblematik, der Zuwanderung und der Ausländer eine ausführliche Debatte und damit verbundene Maßnahmen. Dieses Thema hat unter allen soziodemografischen Gruppen die höchste Ausprägung, wobei Personen ab 35 Jahren, Personen der höheren sozialen Schichten (A/B) und Bewohner von Ortschaften bis 5.000 Einwohner eine noch höhere Priorität dafür aufweisen.

Mit deutlichem Abstand umfasst das zweitwichtigste Einzelthema die Altersvorsorge bzw. die Pensionen (25%). Unter diesem politischen Themenfeld zeigt sich ein starkes Alters- und Geschlechtergefälle. Während nur rund 15 Prozent der unter 35-Jährigen das Pensionssystem spontan nennen, sind es knapp zwei Fünftel unter den Personen ab 60 Jahren. Auch Frauen ordnen dieses Thema deutlich häufiger politisch wichtig ein als Männer es tun.

Auf einer weiteren Ebene folgen Schwerpunkte wie Arbeitsplätze (16%), das Gesundheitssystem (16%), die Sozialpolitik (13%), Kriminalität/Sicherheit (12%) und die Steuern (12%). Interessanterweise rangieren der Umweltschutz, die Transparenz der Politik, der sinkende Lebensstandard und die Wohnpolitik nur im Mittelfeld der prioritären Themen. Die Jugendarbeitslosigkeit, der Bürokratieabbau und die Aufarbeitung des Reformstaus befinden sich am Schluss dieser spontanen, also offen abgefragten, Prioritätenliste.

Folgende soziodemografischen Unterschiede lassen sich herausarbeiten:

- Altersgefälle: Personen ab 60 Jahren sind die Themen Pensionen, Gesundheit und Migrationspolitik wichtiger als jüngeren Personen. Diesen sind wiederum die Bildungs-, Sozial- und Wohnpolitik sowie die Arbeitsplätze wichtiger als ihrer sozialen Gegengruppe.

- Ein Geschlechtergefälle liegt in den Daten kaum vor. Die Frauen neigen leicht dazu, das Pensionssystem häufiger als prioritär einzustufen.

- Stadt/Landgefälle: Für Bewohner des ländlichen Raums sind die Migrationspolitik, der sinkende Lebensstandard, der Arbeitsmarkt und der Umweltschutz wesentlicher. Umgekehrt hält die Stadtbevölkerung die Themenbereiche Bildung, Sozialpolitik und Pensionen für wichtiger.

Fasst man die unterschiedlichen Einzelthemen zu größeren Themenblöcken zusammen, zeigt sich, dass die Sozialpolitik mit all ihren Facetten wie beispielsweise Gesundheit, Altersvorsorge, Lebensstandard oder Wohnpolitik dem Asyl- und Zuwanderungsthema in der Bedeutung relativ nahe kommt, es aber nicht erreicht.

 

 

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 17. August bis 11. September 2017

Sample: n=1.033 Personen, statistisch repräsentativ für die öster-reichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 017081

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Nationalratswahl 2017: Die Agenda der Bevölkerung...