AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren
NR. 20 | 2017

 

 
 

DIE BUNDESPOLITIK UND DIE BÜRGERNÄHE - WENN DIE ALLTAGSSORGEN NICHT WAHRGENOMMEN WERDEN

 

 

Nur drei Prozent der Österreicher glauben, dass die Politiker auf Bundesebene sehr gut über die Alltagssorgen der durchschnittlichen Menschen Bescheid wissen. Weitere 23 Prozent halten zumindest einen einigermaßen guten Kenntnis-stand über die wirklichen Probleme der Öster-reicher für realistisch, knapp drei Fünftel ver-neinen dies. Die Politiker der Bundesebene gelten somit mehrheitlich als nicht „bürgernah“. Männer und Sympathisanten der SPÖ sprechen den Politikern vergleichsweisemehr Verständnis zu als andere Bevölkerungsgruppen. Insgesamt erstreckt sich aber ein sehr einheitliches und gleichförmiges Bild über die soziodemografi-schen Kriterien Bildung, Alter und Region. Unter den vorgelegten Alltagsbereichen der Österrei-cher werden den Bundespolitikern kaum hohe Wissensstände zugestanden. Am ehesten haben Politiker angeblich Ahnung von der Führung eines Unternehmens und dem Umgang mit der Digitalisierung bzw. dem technischen Fortschritt.
Insbesondere bei der Aufteilung des Gehalts für den ganzen Monat, dem Umgang mit Ersparnis-sen, der Jobsuche, den Anforderungen an Alleinerzieher und der Pflege von Familienangehörigen vermuten mehr als drei Fünftel der Bevölkerung kaum Berührungspunkte der Politiker mit der Wirklichkeit.

Als politische Faustregel gilt, dass die Zufriedenheit mit der Politik mit ihrer Nähe zum Wähler zunimmt. Somit liegen meist die kommunalen- und landespolitischen Vertreter aufgrund ihrer Nähe zum Elektorat in einem besseren, positiveren öffentlichen Licht als Vertreter entfernter politischer Ebenen.
Im Jahr 2015 ging das IMAS Institut der Frage der Zufriedenheit der Österreicher mit der Bundespolitik nach (IMAS REPORT Nr. 10/2015). Damals war rund jeder Zweite mit der Politik unzufrieden. Als Hauptkritikpunkte wurden folgende zwei Aspekte geäußert: politische Versprechen werden gebrochen und keine Bürgernähe.
Aufgrund dieses Befundes und der nahenden Nationalratswahl nahm das IMAS Institut nun die Bürgernähe auf die demoskopische Waagschale, um diesen Aspekt der Unzufriedenheit zu erforschen:
Nur eine Minderheit der Österreicher fühlt eine Bürgernähe der Bundespolitiker. Genau genommen sind es nur drei Prozent der Österreicher, die glauben, dass die Politiker auf Bundesebene sehr gut über die Alltagssorgen der durchschnittlichen Menschen in der Bevölkerung Bescheid wissen.
Weitere 23 Prozent halten zumindest einen einigermaßen guten Kenntnisstand über die wirklichen Probleme der Österreicher für realistisch.
Im Verhältnis von 26 zu 56 unterliegt somit das Gefühl der Bürgernähe. Knapp drei Fünftel vernei-nen die „Bürgernähe“ der Bundesvertreter und nehmen diese entweder „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ wahr.

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Insgesamt erstreckt sich ein sehr einheitliches und gleichförmiges Bild über die soziodemografischen Kriterien Bildung, Alter und Region. Leicht unterschiedliche Einschätzungen weisen am ehesten nur folgende Gruppen der Bevölkerung auf: Männer und Sympathisanten der SPÖ sprechen den Politikern vergleichsweise mehr Verständnis zu.

Neben dieser allgemeinen Einschätzung wurden auch reale Lebenssituationen der Bevölkerung nach der Bürgernähe der Politiker empirisch durchleuchtet. Wiederum zeigt sich, dass die Bevölkerung in keinem Aspekt mehrheitlich eine Bürgernähe und Kenntnis der Politiker von den Alltagssorgen wahr-nimmt.

Unter den vorgelegten Alltagsbereichen der Österreicher werden den Bundespolitikern kaum hohe Wissensstände zugestanden. Am ehesten haben Politiker angeblich Ahnung von der Führung eines Unternehmens und dem Umgang mit der Digitalisierung bzw. dem technischen Fortschritt.


 Insbesondere bei der Aufteilung des Gehalts für den ganzen Monat, dem Umgang mit Ersparnissen, der Jobsuche, der Anforderungen an Alleinerzieher und der Pflege von Familienangehörigen vermuten mehr als drei Fünftel der Bevölkerung kaum Berührungs-punkte der Politiker mit der Wirklichkeit.

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 14. Juni bis 10. Juli 2017

Sample: n=1027 Personen, statistisch repräsentativ für die öster-reichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 017061

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Politisches Interesse in der Vorwahlphase...