AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren
NR. 19 | 2017

 

 
 

POLITISCHES INTERESSE IN DER VORWAHLPHASE
GRÜNDE UND MOTIVE DER NICHTWAHL

 

 

Rund jeder zehnte Österreicher interessiert sich sehr stark für Innenpolitik; der Trend ist seit den letzten Messungen konstant, im Langzeittrend halbierte sich die politisch sehr interessierte Bevölkerung allerdings in beinahe zwei Jahrzehnten. Rund zwei Fünftel verfolgen zumindest einigermaßen intensiv die Diskussionen rund um Steuern, Grenzschließungen, Integration oder Ähnliches. 60 Prozent haben der Politik bereits mehr oder weniger den Rücken zugekehrt. Trotz des mangelnden Interesses informiert sich die Bevölkerung nahezu täglich über Politik und Interessenvertretung: Mehr als drei Fünftel greifen täglich zur Tageszeitung oder verfolgen die Nachrichten in Fernsehen, Internet oder Radio. Politisches Interesse und Wissen beeinflussen stark die Teilnahme an Wahlen: Diejenigen, die angeben, sich wenig für Politik zu interessieren, wissen weniger über Politik und neigen vergleichsweise stärker dazu, nicht an jeder Wahl teilzunehmen. Hauptgrund für die Wahlenthaltung liegt demnach in einem generellen Desinteresse. Danach folgen die fehlende Glaubwürdigkeit der Politik, der Protest und der Eindruck, die eigene Stimme habe eigentlich kaum ein Gewicht. Terminprobleme oder unerwartete Ereignisse usw. spielen kaum eine Rolle.

Insgesamt halten nur 4 Prozent der Österreicher (12 Prozent der Nichtwähler) Wahlen generell für sinnlos und überflüssig.

In der Vorwahlphase der kommenden Nationalratswahl fokussiert die breite österreichische Medienwelt bereits relativ intensiv die politische Landschaft. Die Bevölkerung blickt mit mäßigem Interesse auf die unterschiedlichen innenpolitischen Vorgänge, wiewohl die Berichterstattung dazu grundsätzlich verfolgt wird.

Genau genommen sind es aktuell 12 Prozent der Österreicher, die sich als sehr stark politisch interessiert äußern, weitere 28 Prozent geben zumindest ein gewisses Interesse zu Protokoll. Unter den besonders Interessierten findet man eher Männer, Personen ab 60 Jahren und Personen mit höherer Bildung. Im Langzeittrend zeigt sich eine Halbierung der Topinteressierten seit den sogenannten Nullerjahren. Mittelfristig ist das Interesse konstant. Als Faustformel der letzten Jahre gilt aber sicher, dass rund drei von fünf Österreichern der Politik mehr oder weniger stark den Rücken zugekehrt haben.

Auch wenn das Interesse mäßig ist, zeigt sich in der aktuellen IMAS Umfrage, dass sich die Österreicher über Innenpolitik im weitesten Sinne nahezu täglich informieren. 43 Prozent der Bevölkerung geben an, täglich zur Tageszeitung zu greifen oder die Nachrichten in Fernsehen, Internet oder Radio zu verfolgen. Weitere 18 Prozent tun dies beinahe täglich. Echte Informationsasketen, die sämtliche Medien mit politischen Themen vermeiden, sind in der Minderheit bei rund 17 Prozent. Wiederum zeigt sich ein starkes Alters-, Geschlechter- und Bildungsgefälle.

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Das Wahlverhalten wird stark durch das Interesse geprägt. Der moderne Wähler hat eigentlich zwei Entscheidungen am Wahltag zu treffen. Einerseits, ob er an der Wahl teilnimmt, und andererseits, welcher Partei er einen Vertrauensvorschuss gibt.

Die Wahlbeteiligung ist bei den Wahlen unterschiedlich, bei Europawahlen ist sie unterdurchschnittlich. Aber auch bei Nationalratswahlen zeigt der Langzeittrend eine deutliche Abnahme.

61 Prozent der Bevölkerung geben an, sich immer an Wahlen zu beteiligen, knapp ein Drittel hat nicht immer teilgenommen. Dieses Drittel ist eher jünger, einfach gebildet und hat ein überdurchschnittliches Desinteresse an Politik.

Diejenigen, die angeben, sich wenig für Politik zu interessieren, wissen weniger über Politik und neigen daher überdurchschnittlich stark dazu, nicht an jeder Wahl teilzunehmen. 

Hauptgrund für die Wahlenthaltung ist demnach ein generelles Desinteresse. Danach folgen die fehlende Glaubwürdigkeit der Politik, der Protest und der Eindruck, die eigene Stimme habe eigentlich kaum ein Gewicht. Terminprobleme oder unerwartete Ereignisse usw. spielen kaum eine Rolle.

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 17. Mai - 09. Juni 2017

Sample: n=1106 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 017051

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Politisches Interesse in der Vorwahlphase...