AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 09 | 2020

 

 
 

3 VON 4 SIND SICH SICHER, DIE KRISE WIRD UNSEREN ALLTAG VERÄNDERN – SCHUTZMASKE ALS SYMBOL DER KRISE – ERST AB 2022 SOLL ES DIE WIRTSCHAFTLICHE AUFERSTEHUNG GEBEN

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

Wie vor kurzem im letzten IMAS Report Nr. 08 | 2020 berichtet, kommt es in der Bevölkerung zu einer Verschiebung der Grundstimmung vom positiven in den negativen Bereich.

Dies hat vor allem auch damit zu tun, dass unser bisher geschätzter Alltag durch die Krise deutlich verändert wurde und sich noch weiter verändern wird. 3 von 4 Österreichern sagen, dass sich unser Leben durch diese Krise zumindest einigermaßen stark verändern wird. Rund ein Viertel geht sogar von einer sehr starken Veränderung aus. Seit Mai / Juni hat die Top-Box-Ausprägung sogar um fünf Prozentpunkte zugenommen.

Vor allem drei Aspekte werden in den Augen der Bevölkerung deutlich zunehmen: Die Sensibilität gegenüber Grippe-Kranken, die Angst um den Arbeitsplatz und das Tragen der Schutzmasken im Alltag. Die Schutzmasken sind das neue Symbol dieser Krisenzeit, um 29 Prozentpunkte ist dieser Aspekt in der Top-Box seit der letzten Messung im Mai / Juni angestiegen. Dies stellt mit Abstand den größten Zugewinn dar. Aber auch unser Sozialverhalten – insbesondere das Grüßen usw. – wird sich nach Einschätzung von Herrn und Frau Österreicher verändern.

Die Einschätzung, die Krise als Chance auf ein besseres und bewussteres Leben nach der Krise zu betrachten, schwindet etwas, es kommt zu einer Patt-Stellung.

Die Dauer bis zur wirtschaftlichen Erholung wird sehr lange eingeschätzt. Die Österreicher gehen von einer Durststrecke weit über das kommende Jahr 2021 hinaus aus.

Die Welt ist nun spätestens seit Anfang März 2020 im Ausnahmezustand, die Corona-Pandemie ist somit eine sogenannte „Menschheitserfahrung, also ein Erlebnis, welches noch in Jahrzehnten von Generationen an weitere Generationen weitererzählt wird“ (Joschka Fischer, ehemaliger Vizekanzler von Deutschland)

Der Veränderungsgrad dieser Krise ist enorm: 3 von 4 Österreicher sind der Meinung, dass der Alltag – die Art wie wir leben, einkaufen, arbeiten – nach der Corona-Krise deutlich anders sein wird als bisher. Insbesondere Frauen, Personen unter 60 Jahren und Menschen mit formell höherer Bildung sind davon besonders überzeugt. Seit Mai / Juni nimmt die Zustimmung sogar um fünf Prozentpunkte zu. Es wird kein Zurückdrehen zum Status Jänner 2020 geben, sondern einen neuen Alltag.

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Die Krise ist somit ein "Game Changer", ein Epochenwechsel, und die Vorstellung der Zukunft muss neu überdacht werden.

Konkret sind es viele Aspekte die sich in den Augen der Bevölkerung verändern. Nahezu alle abgefragten Aussagen werden deutlich der Zu- bzw. Abnahme zugeordnet. Reisen und Großveranstaltungen sind die großen Verlierer, die Sensibilität gegenüber Kranken, die Angst um den Arbeitsplatz und das Tragen von Schutzmasken im Alltag die Bereiche mit zunehmenden Veränderungen. Aber auch das Sicherheitsbedürfnis in allen Lebensbereichen, also die Sehnsucht nach Stabilität und Sicherheit, wird zunehmen.

Im Trend nehmen die Top-Box-Ausprägungen fast aller abgefragten Aspekte zu, manche davon zweistellig seit Mai/Juni 2020:

  • Tragen der Schutzmasken im Alltag: + 29 Ppt.
  • Grenzsperren in der EU: +19 Ppt.
  • Neue Begrüßungsformen: + 17 Ppt.
  • Sensibilität gegenüber Kranken: +14 Ppt.
  • Rückzug in die eigenen vier Wände: +14 Ppt.

 

Insgesamt nimmt der Glaube daran, die Krise als Chance für ein bewussteres und besseres Leben nach der Krise zu betrachten, im Trend ab. Mittlerweile gibt es in dieser Fragestellung eine Pattstellung, genau genommen sind es 40 zu 38 Prozent die sich hier gegenüberstehen.

 

Die Krise hat viele Dimensionen, wie etwa die gesundheitliche, die soziale und die wirtschaftliche. Insgesamt haben die Österreicher in der Gegenüberstellung des wirtschaftlichen und gesundheitlichen Risikos keine eindeutige Meinung. 42 Prozent fürchten sich vor beiden, im Verhältnis 29 zu 24 überwiegt leicht die Angst vor dem wirtschaftlichen Absturz.

Erwartungsgemäß verändert sich nach Alter die Einschätzung dieser Frage. Die Älteren sorgen sich stärker um die Gesundheit, die Jüngeren mehr um die wirtschaftlichen Folgen. 

Die Dauer bis zur wirtschaftlichen Erholung wird sehr lange eingeschätzt. Die Österreicher gehen von einer Durststrecke weit über das kommende Jahr 2021 hinaus aus. Die relative Mehrheit geht von 2022 oder später aus, also einer Erholung erst ab dem übernächsten Jahr. Dies erstreckt sich über alle Teile der Bevölkerung und kann somit als Indikator für die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung eingeschätzt werden.

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 9. September – 2. Oktober 2020

Sample: n=1.014 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 020091

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Corona-Krise...