AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 07 | 2020

 

 
 

ZIVILCOURAGE IN ZEITEN DER KRISE – EINDEUTIGER TREND: DER MUT NIMMT AB, SOZIALE KREISE WERDEN ETWAS KLEINER – SOCIAL MEDIA KENNT KEINE ZIVILCOURAGE

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

Im Verhältnis 39 zu 19 geben die Österreicher zu Protokoll, dass die Zivilcourage in den letzten vier bis fünf Jahren in der Alpenrepublik eher abgenommen hat. Vor allem Personen mit höherer Bildung gehen stärker davon aus.

Der Personenkreis für schwierige Situationen wird kleiner: Auf die Frage wie viele Personen man hat, auf die man sich in schwierigen Situationen verlassen kann, antworten deutlich mehr Befragte im Vergleich zu 2010 mit 1-3 Personen. Mit zunehmendem Alter und höherer Bildung wird der Kreis des Vertrauens etwas kleiner.

Wichtigste Situationen für Zivilcourage in den Augen der Bevölkerung sind: Einer Frau zu helfen, die sexuell belästigt wird, älteren Menschen zu helfen, die im Straßenverkehr die Orientierung verloren haben, für einen verletzten Obdachlosen Hilfe herbeiholen und die Nummer eines Fahrerflüchtigen notieren.

Zivilcourage in den sozialen Medien halten die meisten für nicht notwendig. Nur rund jeder Vierte gibt an, dass man Falschmeldungen in den sozialen Medien berichtigen sollte.

Insgesamt bestätigt sich das Bild, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen Ist und Soll gibt. Sprich, man hält viele der abgefragten Situationen grundsätzlich für notwendig, würde aber vieles davon selbst nicht tun.

Nach dem kollektiven Schulterschluss in vielen Bereichen der Krise zeigt sich nun wieder die Heterogenität der österreichischen Gesellschaft. Insbesondere im Bereich der Zivilcourage sind die Trends eindeutig, nämlich insgesamt rückläufig.

Die Österreicher sind felsenfest davon überzeugt, dass die Zivilcourage in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat. Genau genommen geben die Österreicher im Verhältnis 39 zu 19 zu Protokoll, dass die Zivilcourage in den letzten vier bis fünf Jahren in der Alpenrepublik eher abgenommen hat.

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Vor allem Personen mit höherer Bildung und Personen der Generation 60+ gehen davon aus. Nach Geschlecht ist kaum ein Unterschied in dieser Einschätzung zu erkennen.

41 Prozent legen 1-3 Personen als den sozialen Kreis fest, auf den sie sich in schwierigen Situationen verlassen können. Weitere 33 Prozent gehen sogar von 4-6 Personen aus. Mit zunehmendem Alter und höherer Bildung wird der Kreis des Vertrauens etwas kleiner.

Auf die Frage, in welchen Situationen man eingreifen sollte und somit Zivilcourage zeigen sollte, sind sich die Österreicher ziemlich einig: Einer Frau zu helfen, die sexuell belästigt wird, älteren Menschen zu helfen, die im Straßenverkehr die Orientierung verloren haben, für einen verletzten Obdachlosen Hilfe herbeiholen und die Nummer eines Fahrerflüchtigen notieren.

Im Mittelfeld der Zivilcourage liegen beispielsweise Aspekte, wie jemanden darauf hinzuweisen, der den Müll einfach auf die Straße wirft oder einem Arbeitskollegen zu helfen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt.

Besonders spannendes Ergebnis im Zeitalter der sozialen Medien: Zivilcourage in den sozialen Medien halten die meisten für nicht notwendig. Nur rund jeder Vierte gibt an, dass man Falschmeldungen in den sozialen Medien berichtigen sollte.

Insgesamt nehmen alle abgefragten Items seit 2007 ab. Dies bedeutet, dass in der Gesellschaft der Eindruck, dass man eingreifen sollte, deutlich zurückgeht. Weniger Menschen sind somit der Meinung, dass man grundsätzlich Initiative und Zivilcourage zeigen sollte.

 

Fragt man die gleichen Aspekte auf der individuellen Ebene ab, zeigt sich wiederum ein Delta zwischen Ist und Soll. Dieser Unterschied zeigt sich in allen drei Messungen und ist immer ähnlich stark ausgeprägt.

In der Ist-Situationsanalyse liegen die abgefragten Bereiche grundsätzlich ähnlich verteilt wie bei der Soll-Abfrage, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Somit bekennen sich nun wenige Österreicher zu einem Eingreifen in schwierigen Situationen, um anderen Menschen zu helfen.

 

 

 

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 4. März – 25. Mai 2020

Sample: n=1.031 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 020031

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Zivilcourage...