AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 05 | 2020

 

 
 

DIE QUELLEN DER POLITISCHEN INFORMATION – DAS MEDIENVERHALTEN DER ÖSTERREICHER IM POLITISCHEN KONTEXT

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

15 Prozent der Österreicher sind an den aktuellen innenpolitischen Geschehnissen und Vorgängen sehr stark interessiert, weitere 24 Prozent ziemlich stark. Vor allem die Generation 60+ ist besonders an der österreichischen Politik interessiert. Bei 58 Prozent (exkl. 4 Pp. Unentschieden) der Bevölkerung mangelt es an Interesse.

Die zentralen Themen im Wahlkampf waren in den Augen der Bevölkerung vor allem der Umwelt- und Klimaschutz, das Pensionssystem und die Zuwanderung. Die Generation 60+ ist hierbei vor allem beim Pensionssystem besonders alert. Deutlicher Unterschied zur Nationalratswahl 2017: Damals waren die Einwanderungspolitik und die Integration die mit Abstand stärksten Themen.

Hauptinformationsquellen für Politik sind für politisch Interessierte die öffentlichrechtlichen Fernsehsender, die PrintTageszeitungen und das öffentlich rechtliche Radio.

Online Medien werden von dieser Gruppe deutlich weniger häufig genutzt. Folgender Grundsatz gilt: Nach persönlichem Mediennutzungsverhalten werden auch die einzelnen Kanäle genutzt. Online Plattformen, private Radioanstalten und Social MediaKanäle werden vom Typus des "Intensiven Social Media-Nutzers" häufiger verwendet als von den "Internet-Asketen".

Zum Stichwort "Glaubwürdigkeit der Medien" lassen sich mehrere grundlegende Analyselinien festhalten. Erstens: Trotz der Digitalisierung und der Veränderungen in der Medienwelt gilt nach wie vor der Grundsatz "Die persönlich ausgewählten Medienkanäle gelten als glaubwürdiger als die nicht selbst genutzten Medien". Zweitens: Die Glaubwürdigkeit der Medien insgesamt hat etwas Luft nach oben. Drittens: Mehr als zwei Fünftel der Bevölkerung meinen, dass in den Medien vieles verzerrt und unvollständig dargestellt wird. Und viertens gilt, dass – insbesondere in den Augen der politisch interessierten Österreicher – die Journalisten ihre Meinung stärker in der Berichterstattung darstellen als noch vor 10 Jahren.

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Die Nationalratswahl 2019 weckte wiederum die demoskopische Neugier des IMAS Forschungsstabs. Dabei galt, nicht die alte Kernfrage der Wahlforschung „Wer wählt wen und warum“ zu stellen, sondern sich drei zentralen Forschungsdimensionen zu widmen. Erstens: Wie sieht es mit dem politischen Interesse der Österreicher aus? Welche Themen waren insbesondere im Vergleich zu 2017 relevant? Zweitens: Welche Medien und Quellen nutzen die Österreicher für den Informationsgewinn über die innenpolitische Berichterstattung. Drittens stellte das IMAS Institut auch Fragen rund um die Glaubwürdigkeit der Medien im politischen Kontext. Nun aber der Reihe nach:


„Rund zwei Fünftel der Österreicher interessieren sich für Politik – weiterer Absturz verhindert, aber 58 Prozent kehren der Politik den Rücken zu.“


Genau genommen sind es 15 Prozent der Österreicher, die sich mit den innenpolitischen Vorgängen und Problemen sehr stark auseinandersetzen, weitere 24 Prozent ziemlich stark. Im Trend zeigt sich ein leichtes Plus in der Top-Box zu den Nullerjahren, der Rückgang aus dem alten Jahrhundert konnte aber nicht wieder gutgemacht werden. Beispielsweise waren im Jahr 2000 ein Fünftel der Bevölkerung sehr interessiert und 56 Prozent zumindest einigermaßen.

 

Politisches Interesse hat drei besondere soziodemografische Merkmale: Politisches Interesse steigt mit dem Alter, mit der Bildung und ist bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen.


„Innerhalb von zwei Jahren haben sich die politischen Prioritäten verändert. Dies zeigt die Dynamik in der Politik deutlich.“


Die zentralen Wunschthemen im Wahlkampf 2019 waren in den Augen der Bevölkerung vor allem der Umwelt- und Klimaschutz, das Pensionssystem und die Zuwanderung. Insgesamt wurden im Durchschnitt 2,2 Themenbereiche von den Befragten genannt. Die Generation 60+ ist hierbei vor allem beim Pensionssystem besonders alert. Deutlicher Unterschied zur Nationalratswahl 2017: Damals war die Einwanderungspolitik und Integration das mit Abstand stärkste Thema. Dies spielte 2019 zwar nach wie vor eine entscheidende Rolle, aber nicht mehr als Single-Issue.


„Die politisch Interessierten nehmen Politik vor allem über öffentlich rechtliche Kanäle und Tageszeitungen wahr.“  


Hauptinformationsquellen für Politik sind für politisch Interessierte die öffentlich rechtlichen Fernsehsender, die Print-Tageszeitungen und das öffentlich rechtliche Radio. Unter der Gesamtbevölkerung sind die Top-Informationsquellen ausgeglichener.

 

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Die sozialen Medien liegen in beiden Gruppen im Mittelfeld der Nutzung. Online Medien werden von der Gruppe der "sehr Interessierten" deutlich weniger häufig genutzt. Folgender Grundsatz gilt für alle Kommunikationstypen: Nach persönlichen Mediennutzungsverhalten werden die einzelnen Kanäle ausgewählt und genutzt.

Online Plattformen, private TV- und Radioanstalten und Social Media-Kanäle werden vom Typus des "Intensiven Social Media-Nutzers" häufiger verwendet als von den "Internet-Asketen".


„Glaubwürdigkeit der Medien hängt von der Nutzung ab. Frei nach dem Grundsatz: Meine Medienquelle stimmt auch.“


Grundsätzlich wird nahezu allen abgefragten Medienkanälen eine zumindest mehrheitliche Glaubwürdigkeit zugebilligt. Bei den sozialen Medien gilt dies nicht, da überwiegt der Zweifel in der Gesamtbevölkerung und unter politisch sehr interessierten Personen. Besonders glaubwürdig gelten in den Augen der Österreicher die öffentlich rechtlichen TV- und Radioanstalten und die Print-Tageszeitungen.

Unter den jeweiligen Nutzern zeigt sich eine unterschiedliche Betrachtungsweise der Glaubwürdigkeit: Beispielsweise sehen intensive Sozial Media-Nutzer die sozialen Medien als besonders glaubwürdig an. Dem widersprechen aber die Internet-Asketen.

Bei genauerer Analyse fällt auf, dass die Medienlandschaft im Bereich der Glaubwürdigkeit allgemein Luft nach oben hat. Diese Erkenntnis wird durch zwei weitere Befunde unterstützt: 44 Prozent der Bevölkerung meinen, dass in den österreichischen Medien vieles verzerrt und unvollständig dargestellt wird. Nur ein Viertel ist von einer korrekten Berichterstattung überzeugt.

Weiters sind sich knapp drei Fünftel der Bevölkerung zumindest einigermaßen sicher, dass viele Journalisten heutzutage stärker ihre Meinung in ihrer Berichterstattung einbringen als noch vor 10 Jahren. Dieser Eindruck erstreckt sich gleichförmig über alle soziodemografischen Gruppen.

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 16. September – 9. Oktober 2019

Sample: n=1.022 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 019091

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Medien und Politik...