AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 04 | 2020

 

 
 

ORIENTIERUNGSLOSIGKEIT GROSS / DIE GESPALTENE ALPENREPUBLIK – ZUWANDERUNG ALS KLARE BRUCHLINIE

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

Drei von fünf Österreichern wissen nicht mehr, was falsch oder richtig ist in Fragen der Politik, Wirtschaft aber auch in privaten Lebensfragen. Jeder Fünfte bekundet diese Orientierungslosigkeit voll und ganz.

Knapp jeder zweite Österreicher stimmt der Aussage, dass Österreich in politischer Hinsicht ein gespaltenes Land ist und sich deutliche Gegensätze in der Bevölkerung auftun, zumindest einigermaßen zu. Jeder Fünfte ist ausdrücklich – also „voll und ganz“ – dieser Meinung und rund acht Prozent äußern die diametral gegenteilige Meinung und sehen überhaupt keine Spaltung der Gesellschaft.

Als stärkste Bruchlinie gilt weiterhin die Zuwanderungsthematik inklusive Integration und Flüchtlingskrise. Erst auf deutlich späteren Bewusstseinsebenen zeigen sich die Korruption und der Umweltschutz als Spaltpilze der Republik. Der Umgang mit Steuergeldern oder auch die Gleichstellung von Mann und Frau gelten im Vergleich dazu überhaupt nicht als Spannungslinien.

Nach den letzten Bundespräsidentenstichwahlen in Österreich wurde immer wieder die Sorge über eine starke politische Kluft in der Bevölkerung geäußert. Manche Medien sprachen sogar von einem Präsidenten für die „halbe“ Republik.

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Damals ging der IMAS Forschungsstab der Frage nach dem „geteilten Land“ demoskopisch auf den Grund. Die Ergebnisse zeigten, dass damals ein großer Teil der Bevölkerung (2016: zwei Fünftel) den Eindruck der politischen Spaltung hatte. Insgesamt sahen sie aber vor allem einen Themenkomplex.

Der aktuelle Befund sichert dieses Ergebnis noch einmal ab, lässt aber den Eindruck einer gespaltenen Nation noch stärker zu: Knapp jeder Zweite stimmt der Aussage, dass Österreich in politischer Hinsicht ein gespaltenes Land sei und sich deutliche Gegensätze in der Bevölkerung auftun zumindest einigermaßen zu.

Genau genommen sind es 47 Prozent, die diese Auffassung vertreten. Rund acht Prozent äußern die völlig gegenteilige Meinung und sehen überhaupt keine Spaltung. Menschen mit höherer Bildung sind sich überdurchschnittlich stark in ihrem Eindruck über eine politisch gespaltene Alpenrepublik sicher.

Als stärkste Bruchlinie in Bezug auf die Spaltung gilt die Zuwanderungsthematik inklusive Integration und Flüchtlingskrise. Jeder Zweite, der eine Spaltung zumindest einigermaßen stark empfindet, äußert spontan dieses Thema. Seit 2016 ist das Thema rund um Migration und Flüchtlinge aber um 15 Prozentpunkte rückläufig.

 

Betrachtet man die weiteren Bruchlinien, zeigt sich, dass erst auf deutlich späteren Bewusstseinsebenen die Streitereien in der Politik und die Korruption, der Umweltschutz und das Sozialsystem folgen.

Neben diesem Eindruck kommt noch das Gefühl dazu, dass der Einzelne seine Orientierungspunkte im Leben verloren hat. Drei von fünf Österreichern sagen, dass sie in Fragen der Politik, Wirtschaft oder auch in eigenen Lebensfragen nicht mehr sicher sind, was richtig oder falsch ist. Somit liegt eine gewisse Orientierungslosigkeit im Meinungsklima vor.

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 13. November – 5. Dezember 2019

Sample: n=1.061 Personen, statistisch repräsentativ für die öster-reichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 019111

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Spaltung der Gesellschaft...