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AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 03 | 2020

 

 
 

DER TEILCHENBESCHLEUNIGER UNSERER ZEIT – DER WANDEL IM EILZUGSTEMPO – WUNSCH NACH ENTSCHLEUNIGUNG

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

In der österreichischen Bevölkerung herrscht eine große Diskrepanz zwischen gefühlter und gewünschter Geschwindigkeit im Leben. Auf einer Skala von 1 bis 7 (1=Zeit steht fast still, 7=Zeit ändert sich rasend schnell) liegt die erlebte Geschwindigkeit bei 4,7, die gewünschte bei 3,3. Die Ergebnisse erstrecken sich relativ gleichförmig über alle Altersgruppen, wobei die Schere zwischen beiden Durchschnittswerten bei älteren Personen größer ist als bei jüngeren. Im Trend seit 2015 ist die Diskrepanz in der Gesamtbevölkerung aber stabil und liegt zwischen 1,3 und 1,7.

Grund für die hohe Geschwindigkeit sind einerseits der Gesamteindruck der Gesellschaft, also die Schnelllebigkeit, Veränderungen usw. und andererseits die Digitalisierung. Weiters vergeht in den Augen der Bevölkerung mit zunehmendem Alter die Zeit einfach deutlich schneller.

71 Prozent der Österreicher sind – bei einer konkreten Nachfrage – der Meinung, dass das Internet, wie die digitale Kommunikation, soziale Medien usw., das Leben beschleunigt. Für 14 Prozent der Bevölkerung ist dies nicht der Fall. Menschen mit höherer Bildung nehmen dieses Phänomen überdurchschnittlich häufig wahr. Auch diese Werte sind im Trend stabil.

Eine relativ neue Erscheinung der Grundcharakteristik der österreichischen Bevölkerung ist sicherlich die stärkere Echtzeitorientierung.

Der digitale Wandel und die neuen Kommunikationsformen fokussieren stark auf die Livesituation im Leben und größere Teile der Bevölkerung weisen somit einen hohen Gegenwartsbezug auf. Man kann mittlerweile von nahezu überall aus arbeiten, sich informieren oder auch shoppen.

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Weiters gilt auch das Versprechen der neuen, digitalen Welt, das Leben der Österreicher zu erleichtern, mehr Optionen zu schaffen und somit Zeit zu sparen.

Der Frage, inwieweit sich diese Aspekte im realen Leben und hierbei auf die gefühlte Lebensgeschwindigkeit auswirken, ging der IMAS Forschungsstab demoskopisch nach.

Zunächst wurden rund 1000 Österreicher repräsentativ in sogenannten face-to-face Interviews (persönliche Interviews) nach der Geschwindigkeit im Leben befragt: Die Bevölkerung schätzt das gefühlte Tempo relativ gleichförmig über alle soziodemografischen Gruppen hinweg auf einer siebengliedrigen Skala (1=Zeit steht fast still, 7=Zeit ändert sich rasend schnell) bei rund fünf (4,7) ein. Somit zeigt sich zwar noch nicht die Hochgeschwindigkeitsgesellschaft, aber in den Augen der Bewohner der Alpenrepublik scheint das Eilzugstempo erreicht zu sein. Dieses Ergebnis ist stabil zu den Vergleichsmessungen aus 2015 und 2018.

Auf die Frage nach der gewünschten Geschwindigkeit geben die Österreicher im Durchschnitt 3,3 an. Somit herrscht eine Diskrepanz zwischen gefühlter und gewünschter Geschwindigkeit. Der Eindruck der Bevölkerung ist, dass sich im Leben alles schneller bewegt, als es eigentlich sollte. Genau genommen ist die Differenz zwischen gefühlter und gewünschter Geschwindigkeit bei den Personen bis 34 Jahren am kleinsten, aber auch in dieser Gruppe ist der bereits beschriebene Befund eindeutig: Die Sehnsucht nach Entschleunigung.

Grund für die hohe Geschwindigkeit sind: Die allgemeine Schnelllebigkeit, das Altersphänomen, dass die Zeit mit dem Alter schneller vergeht, der Blick auf das Heranwachsen der eigenen Enkel und der digitale Wandel. Dies geht eindeutig aus der gewählten offenen Fragestellung hervor. Interessanterweise wird der Leistungsdruck in der Arbeitswelt nur relativ selten genannt.

71 Prozent der Österreicher sind – bei einer konkreten Nachfrage – der Meinung, dass das Internet, wie die digitale Kommunikation, soziale Medien usw. das Leben beschleunigt. Für 14 Prozent der Bevölkerung ist dies nicht der Fall. Menschen mit höherer Bildung nehmen dieses Phänomen überdurchschnittlich häufig wahr.

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 13. November – 5. Dezember 2019

Sample: n=1.061 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 019111

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Geschwindigkeit...