AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 14 | 2019

 

 
 

ÖSTERREICH ALS ARCHIPEL – SOZIALE SEGREGATION
WENN GLEICH UND GLEICH SICH GERNE GESELLT

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

Der enge Freundeskreis der Österreicher ist relativ klein, im Durchschnitt gibt die Bevölkerung an, mit rund vier Personen ein echtes vertrauensvolles Verhältnis zu pflegen. Dass nur eine Minderheit der Befragten überhaupt niemanden als Freund bezeichnet, zeigt, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Spontan werden mit Freundschaft besonders der Zusammenhalt, gemeinsame Interessen und Vertrauen verbunden. Somit wird die Freundschaft klar beschrieben.

Als besonders wichtig in einer Freundschaft sind in den Augen der Österreicher vor allem der ähnliche Humor, die ähnlichen Hobbys, das ähnliche Freizeitverhalten und ähnliche Wertvorstellungen. Wohingegen eine ähnliche familiäre Situation, ähnliche politische Einstellungen, ein ähnliches berufliches Umfeld oder auch ehrenamtliches Engagement nicht besonders wichtig zu sein scheinen.

Betrachtet man nun die Struktur des Freundeskreises von unterschiedlichen Gruppen der Bevölkerung, so zeigt sich, dass sich Personen ähnlichen Alters, ähnlicher Abstammung, ähnlichen Wohnumfeldes, gleichen Glaubens, ähnlichen Bildungsniveaus usw. eher im Freundeskreis treffen als die jeweiligen Gegengruppen. Eigene Persönlichkeitsmerkmale prägen somit die besten Freunde.

Der Volksmund sah das Ergebnis dieser empirischen Untersuchung schon voraus: Gleich und Gleich gesellt sich gerne. Denn die Annahme, dass das eigene, persönliche Umfeld aus unterschiedlichen Menschen besteht, die eine größtmögliche Vielfalt von Persönlichkeitsmerkmalen aufweisen, kann nicht bestätigt werden. Im Gegenteil, das eigene ICH determiniert das WIR im eigenen Freundeskreis. Das eigene Alter, das Geschlecht, der Bildungsabschluss usw. sind dabei tongebend. Unsere Freunde ähneln uns sehr.

Aber zunächst einmal ein empirischer Blick auf den klassischen Freundeskreis der Österreicher. Die Österreicher vertrauen ihr Herz, ihre Anliegen und Sorgen nur einem relativ kleinen Personenkreis an. Im Durchschnitt sind es vier Personen, die als enger Freundeskreis bezeichnet werden.

Männer und jüngere Personen unter 35 Jahren haben eine leicht überdurchschnittlich große Anzahl an Vertrauenspersonen im Vergleich zu ihren sozialen Gegengruppen. Die sogenannten spontanen Assoziationen - also die gedanklichen Verbindungen - zum Freundschaftsbegriff zeichnen ein klares Bild von Freundschaft: Dieses ist stark durch Werte geprägt, einerseits durch Werte der Gemeinschaft, Vertrauen usw. und andererseits durch gemeinsame Überzeugungen und Leitlinien im Leben.

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Genau genommen sind drei Eckpfeiler zu nennen: Zusammenhalt bzw. füreinander da zu sein, gemeinsame Interessen und Verlässlichkeit.

In einer weiteren Forschungsdimension wurden wichtige Aspekte in einer Freundschaft abgefragt. Jeder zweite Österreicher hält einen ähnlichen Humor als zentral, mehr als zwei Fünftel auch die ähnlichen Interessen. Danach folgen das Freizeitverhalten und ähnliche Wertehaltungen und Überzeugungen. In dieser direkten Abfrage werden personenbezogene Merkmale wie gleiches Geschlecht, ähnliche familiäre Situation usw. von etwa der Hälfte der Befragten als eher unwichtig abgetan.

Diejenigen Personen, die eher kleinere Freundeskreise zu Protokoll geben, haben auch eine deutlich höhere Erwartungshaltung an diese.

Befragt man nun die repräsentative Bevölkerung, mit welchen Gruppen von Menschen sie in ihrem Freundeskreis verankert sind, zeigt sich ein spannendes Bild:

Nach Alter unterscheiden sich die Freundeskreise massiv. Mit Personen zwischen 16 und 19 Jahren haben hauptsächlich Personen unter 20 Jahren zu tun.

Nur drei Prozent der Altersgruppe 60+ zählt einen unter 20-Jährigen zu seinen Freunden. Auch Personen zwischen 40 und 60 tendieren stark zum freundschaftlichen Austausch mit ihren Alterskollegen, die Generation 60+ stark zu ihrer Altersgruppe.

Nach Bildung zeigt sich ein ähnliches Bild, wenn auch in abgeschwächter Form: Menschen mit Pflichtschulabschluss tauschen sich sehr intensiv mit Menschen ihres Bildungsabschlusses aus.

Auch Städter suchen Städter und Menschen mit Migrationshintergrund andere Personen mit Migrationshintergrund.

Somit zeigt sich, das ICH bestimmt den Freundeskreis. Die eigenen Persönlichkeitsmerkmale sind hierbei entscheidend. Fraglich ist nun, ob diese Entwicklung nicht die Polarisierung in der Gesellschaft vorantreibt und die Inklusion verschiedenster Gruppen in die Breite der Gesellschaft erschwert. 

 

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 3. Juni – 25. Juni 2019

Sample:n=1.020 Personen, statistisch repräsentativ für die öster-reichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 019061

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Soziale Segregation...