AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 12 | 2019

 

 
 

DIE MEDIZINER IM VIRTUELLEN RAUM – ONLINE RECHERCHE UND FAMILIENBONUS VERÄNDERN DEN GESUNDHEITSBEREICH

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

Knapp jeder zweite Österreicher hat schon einmal eine persönliche Gesundheitsfrage im virtuellen Raum recherchiert (+14 Prozentpunkte seit 2014), für ein knappes Fünftel davon waren die im Netz abrufbaren Informationen sehr hilfreich, für weitere 58 Prozent einigermaßen (Rückgang in der TOP-Box um 7 Pp.). Veränderungen im Arzt-Patienten-Verhältnis sind seit 2014 spürbar. 28 Prozent derjenigen, die im Internet recherchieren, empfinden den eigenen Arzt als genervt, wenn sie selbstrecherchiertes Wissen aus dem Internet besprechen wollen. Insgesamt gilt aber immer noch der Arzt als die am häufigsten aufgesuchte Informationsquelle, wenn es um Gesundheitsthemen geht. Zudem genießen die "Götter in Weiß" auch mit Abstand das höchste Vertrauen in der Bevölkerung, wenn auch etwas rückläufig seit 2014.

Im Vergleich von zwölf verschiedenen Informationsquellen zeigt sich in einer Clusteranalyse eindeutig, dass die sogenannten Gesundheitsexperten wie Ärzte, Apotheker und das Pflegepersonal am stärksten genutzt werden. Im Detail geben 54 Prozent (-6 Pp.) der Bevölkerung eine sehr häufige Inanspruchnahme an. Danach folgt das persönliche Umfeld wie Familie, Freunde oder Nachbarn mit einer sehr häufigen Nutzung von 35 Prozent (+11 Pp.). Printmedien – wie Bücher, Zeitschriften usw. – werden nur von 17 Prozent der Bevölkerung sehr häufig, und Online-Medien wie Homepages oder Social-Media-Foren von rund 22 Prozent sehr oft genutzt.

Die digitale Revolution hinterlässt immer stärkere Spuren im gesellschaftlichen Leben. Nicht nur das Kommunikations-, sondern auch das Einkaufs- und Informationsverhalten verändert sich dramatisch. Neben dem Kauf und der Bestellung von Waren und Produkten im virtuellen Raum, finden auch schon die Informationssuche über das beste Angebot und der Austausch über produktspezifische Aspekte unter den Konsumenten online statt. Aber auch die Individualisierung der Werbung und die Vertiefung der Kundenbeziehung durch Online-Tools sind Zeichen dieser veränderten Welt.

Diese in den letzten Jahren festgestellten Trends und Entwicklungen weckten die demoskopische Neugier des Forschungsstabs des IMAS Instituts im Bereich der Gesundheit bzw. der Informationssuche über gesundheitsrelevante Fragestellungen.

Neben den häufigsten Informationsquellen rund um das eigene Wohlbefinden und die vertrauensvollsten Ansprechpartner, stand vor allem die Frage nach dem Arzt-Patienten-Verhältnis und nach der konkreten Auswirkung der digitalen Möglichkeiten auf diese Beziehung im empirschen Interesse.

Rund jeder Zweite hat schon einmal eine gesundheitliche Frage im Internet recherchiert, bei 41 Prozent war dies noch nicht der Fall. Dies ist ein deutlicher Anstieg der Recherchetätigen von 14 Prozentpunkten seit 2014.

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Insgesamt zeigt sich in dieser Fragestellung das für das Internet typische Bildungs- und Altersgefälle: unter 50-Jährige und Menschen mit höherem Bildungsabschluss neigen deutlich häufiger zur Informationssammlung im Internet als ihre sozialen Gegengruppen.

Genau genommen sind es knapp drei von vier Menschen mit Matura oder Uniabschluss, die schon einmal eine Antwort auf eine gesundheitliche Frage im virtuellen Raum gesucht haben. Besonders bemerkenswert ist die „Erfolgsquote“ der Eigenrecherche im Internet. 76 Prozent derjenigen, die bereits schon einmal im Internet auf der Suche nach gesundheitlichen Aspekten waren, waren damit auch zumindest einigermaßen zufrieden. Ein knappes Fünftel vergibt sogar demoskopische Bestnoten, war also mit den Informationen im Internet sehr zufrieden. Insgesamt ist die Zufriedenheit aber rückläufig.

Im Hinblick auf das Arzt-Patienten-Verhältnis zeigt sich, dass bereits mehr als ein Viertel der eben geschilderten Gruppe angibt, dass der konsultierte Arzt auf dieses selbstrecherchierte Wissen genervt reagiert. Im Trend allgemein, auf Basis der Bevölkerung, hat die Aussage des "Genervt-Seins" um acht Prozentpunkte zugenommen.

Insgesamt gilt immer noch der Arzt als die am häufigsten aufgesuchte Informationsquelle, wenn es um Gesundheitsthemen geht. Danach folgen mit Abstand die eigene Familie und die Apotheker. Das Internet spielt in der Frequenz eine noch deutlich geringere Rolle, in der Ausprägung zu vergleichen mit Büchern und Zeitschriften. Der eigene soziale Kreis ist hierbei besonders im Bedeutungsaufwind, Familie und Freunde werden stärker zu Rate gezogen.

Die "Götter in Weiß" genießen auch mit Abstand das höchste Vertrauen in der Bevölkerung und weisen somit das höchste Quellenprestige auf. Danach folgt bereits der Apotheker, den weiterhin zwei Fünftel als sehr vertrauenswürdige Informationsquelle einstufen. Das Vertrauen in die Online-Medien ist als noch nicht besonders hoch einzustufen.

Nur fünf Prozent der Bevölkerung vertrauen sehr stark den Hinweisen auf Homepages oder medizinischen Internetforen, nur zwei Prozent den Social-Media-Foren. Interessanterweise ist es die Familie, die auch in dieser Forschungsdimension deutlich zulegt.

Im Vergleich von zwölf verschiedenen Informationsquellen zeigt sich in einer Clusteranalyse eindeutig, dass die sogenannten Gesundheitsexperten wie Ärzte, Apotheker und das Pflegepersonal am stärksten genutzt werden. Im Detail geben diesbezüglich 54 Prozent (-6 Pp.) eine sehr häufige Inanspruchnahme an. Danach folgt das persönliche Umfeld wie Familie, Freunde oder Nachbarn (35 Prozent). Printmedien – wie beispielsweise Bücher, Zeitschriften usw. – werden bereits von 17 Prozent der Bevölkerung sehr häufig und Online-Medien wie Homepages oder Social-Media-Foren von rund 22 Prozent sehr oft genutzt.

In der Kategorie Quellenprestige zeigt sich anhand dieser Analyse noch deutlicher, dass das Vertrauen in die Informationen aus den Onlinemedien noch nicht stark im Bewusstsein der Bevölkerung verankert ist. Nur neun Prozent der Österreicher vertrauen dabei dem virtuellen Ratschlag sehr stark. 

 

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 17. April – 8. Mai 2019

Sample:n=1.008 Personen, statistisch repräsentativ für die österrei-chische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 019041

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Virtuelles Wartezimmer...