AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 04 | 2019

 

 
 

TRENDUMKEHR GEHT WEITER: DIE BEDEUTUNG DER EU NIMMT IN DEN AUGEN DER ÖSTERREICHER WEITER ZU

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

In der österreichischen Bevölkerung nimmt die Bedeutung der Europäischen Union weiter zu. Mittlerweile sind knapp drei Fünftel der Bevölkerung davon überzeugt, dass die Mitgliedschaft Österreichs in der EU zumindest ziemlich wichtig ist. Dies ist die höchste Bedeutung seit 1996 und scheint die Trendumkehr seit 2016 zu verstärken.

Knapp jeder Zweite ist sich auch sicher, dass der Beitritt zur Europäischen Union mehr Vorals Nachteile brachte. Seit 2014 hat sich die Zustimmung in dieser Frage mehr als verdoppelt. Gegenteiliger Meinung sind nur noch 27 Prozent.

Die Europawahl ist traditionell eine Wahl, die nur Teile der Bevölkerung fasziniert und zur Teilnahme bewegt. 47 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren äußerten im Jänner, dass sie eine zumindest ziemlich feste Absicht haben, an der Europawahl im Mai teilzunehmen. Ein Fünftel ist sich hier schon sehr sicher, ein Viertel ziemlich. Für 33 Prozent spielt diese Wahl noch keine Rolle, 20 Prozent machen keine Angabe.

Die Bürger der Europäischen Union wählen im Mai dieses Jahres ihr Parlament und vergeben somit die Plätze für die politischen Mandate in Brüssel und Straßburg. Diese Wahl findet eigentlich unter sehr widrigen Umständen – beispielsweise kann die Folgen des Brexits (also des Ausscheidens von Großbritannien aus der EU) niemand wirklich genau vorhersagen – statt. Auch in anderen Fragen wie der Verteilung von Flüchtlingen auf die einzelnen Mitgliedstaaten oder auch in der Budgetpolitik sind sich viele Staats- und Regierungschefs nicht immer einig.

Trotz dieser Ausgangslage und vielen Krisen in der Eurozone seit 2008 – oder vielleicht gerade deswegen – hat im Bewusstsein der Österreicher eine Trendumkehr stattgefunden. Die Bedeutung der Mitgliedschaft hat deutlich zugenommen, die Vorteile der EU überwiegen. Die zentrale Veränderung im Meinungsklima konnte 2016 erstmals gemessen werden, nun verstärkt sich diese Entwicklung.

Genau genommen sind aktuell 26 Prozent der Österreicher der Meinung, dass die Mitgliedschaft Österreichs in der EU sehr wichtig ist.

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Für weitere 32 Prozent ist diese einigermaßen wichtig. Nur rund jeder Zehnte lehnt die Bedeutung kategorisch ab (gar nicht wichtig).

Nach soziodemografischen Kriterien zeigt sich nur ein Bildungsgefälle, nach Alter und Geschlecht zeigen sich kaum Unterschiede. Personen mit höherer Bildung schätzen die Bedeutung überdurchschnittlich hoch ein, genau genommen sind es 37 Prozent dieser Gruppe, die die Mitgliedschaft als sehr wichtig erachten.

Der Trend seit 1996 ist sicherlich sehr interessant: Während die Österreicher in den Messungen bis einschließlich 2014 der Mitgliedschaft mehrheitlich eine geringe Bedeutung beigemessen haben, hat sich dies deutlich geändert. Im Verhältnis 58 zu 29 überwiegt nun die hohe Bedeutung der Mitgliedschaft. In der langen Zeitreihe ist dies der deutlichste Unterschied der beiden Antwortpole.

Die Vorteile der EU überwiegen ebenfalls deutlich im aktuellen Meinungsklima. Knapp jeder zweite Österreicher meint, dass der Beitritt Österreichs unserem Land eher Vorteile gebracht hat. Vom Gegenteil sind nur noch 27 Prozent überzeugt. Insgesamt gibt es in dieser Frage aber auch eine hohe Anzahl an Unentschiedenen, die sich nicht deklarieren können oder wollen.

Personen mit höherer Bildung und jene unter 60 Jahren sind überdurchschnittlich stark von den Vorteilen überzeugt. Auch hier ist eine Trendumkehr messbar: Während in den Jahren seit dem Beitritt die Nachteile im Bewusstsein der Bevölkerung deutlich überwogen, liegt nun der Vorteil im Verhältnis 46 zu 27 voran.

Charakteristisch für die Wahlen zum Europäischen Parlament ist sicherlich die niedrige Wahlbeteiligung. Bei den letzten drei Wahlen waren die Nichtwähler immer in der Mehrheit. Aktuell – also rund vier Monate vor der Wahl am 26. Mai – ist rund ein Fünftel der Bevölkerung schon sehr sicher, an dieser Wahl teilzunehmen. Eine weitere Gruppe von rund einem Viertel zeigt eine ziemlich feste Absicht. Aktuell ist somit davon auszugehen, dass die Wahlbeteiligung nicht deutlich zunehmen wird. Dies können aber aktuelle externe Ereignisse, aber auch ein Wahlkampf noch massiv beeinflussen.

 

 

 

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 3. – 24. Jänner 2019

Sample: n=1.029 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 019011

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: EU Wahl...