AKTUELLE DEMOSKOPISCHE STUDIEN
ZU WIRTSCHAFT & GESELLSCHAFT
 
NR. 05 | 2018

 

 
 

WENN DIE SEHNSUCHT NACH SICHERHEIT DEM DRIVE ÜBERWIEGT – DER SOZIALE FAHRSTUHL NACH OBEN HAT WENIG PASSAGIERE

Basis: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren

 

Klare politische Denkformel der Österreicher, wenn es um Gerechtigkeit in der Gesellschaft geht: Jeder sollte seiner Leistung nach verdienen. Es ist kaum ein Gleichheitsstreben vorhanden, aber die Erwartungshaltung, dass die Kluft zwischen Arm und Reich nicht zu groß wird. Knapp zwei Fünftel haben den Eindruck, dass diese Kluft in den letzten 10 Jahren deutlich größer geworden ist. Der soziale Aufstieg durch eigene Leistung gilt mehrheitlich als möglich, nur jeder Fünfte widerspricht. Nur wenige sehen aber den eigenen sozialen Aufstieg als primäres Lebensziel an. Die Österreicher sind jedoch auch der Überzeugung, dass es vor 20 bis 30 Jahren leichter war, den sozialen Fahrstuhl nach oben zu nutzen, um zu Erfolg und Wohlstand zu kommen. Rund ein Drittel geht davon aus, dass es noch keine Chancengerechtigkeit für alle in Österreich gibt, für drei Fünftel scheint es bereits die gleichen Möglichkeiten für alle gesellschaftlichen Schichten zu geben.

Nach Vorlage unterschiedlicher Begriffe zeigen sich folgende als besonders sympathisch: Sicherheit, Gerechtigkeit und Ordnung stehen am Beginn des Rankings. Bildet man mit den abgefragten Begrifflichkeiten zwei Gruppen nach gesellschaftlicher Statik und Dynamik, zeigt sich ein eindeutiges Bild: Der Sicherheitsgedanke überwiegt im Durchschnitt im Verhältnis 69:32 die Drive-Aspekte.

Die Gerechtigkeitsdebatte füllt seit vielen Jahrzehnten die politische Diskussion in Österreich. Die damit verbundene Bewertung von Leistung, der Eindruck von dem Gefälle zwischen Arm und Reich und naturgemäß die Bedeutung des sozialen Aufstiegs durch eigene Leistung sind nur einige Schlagwörter, die hierzulande immer wieder debattiert werden.

Der IMAS Forschungsstab ging diesen Fragen in den letzten Jahren häufiger auf die empirische Spur und versucht, mit dem aktuellen Report die Hauptadern des österreichischen Bewusstseins aufzuzeigen.

Eine Kernfrage dieses Diskurses ist sicherlich das Verhältnis zwischen Leistung und Gerechtigkeit.

Insgesamt ist festzuhalten, dass nur jeder Zehnte voll und ganz möchte, dass alle möglichst gleich viel verdienen. Die soziale Nivellierung ist somit in der Gesamtbevölkerung eine Minderheitenmeinung. Rund drei Fünftel schließen sich hingegen voll und ganz der Meinung an, dass jeder nach seiner Leistung bewertet werden muss, aber jeder Zweite ist der Auffassung, dass die Kluft zwischen Arm und Reich nicht zu groß werden darf. Somit gibt es Grenzen für die Leistungsbewertung, die prinzipiell massiv gewünscht wird.

 

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Knapp zwei Fünftel der Bevölkerung sind der Meinung, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in den letzten 10 Jahren sehr viel größer geworden ist, weitere zwei Fünftel meinen zumindest etwas größer. Vor allem Menschen mit einfacherer Bildung und ab dem 35. Lebensjahr gehen überdurchschnittlich häufig von einer größer gewordenen Kluft aus.

Der soziale Aufstieg durch eigene Leistung gilt mehrheitlich als möglich, nur jeder Fünfte widerspricht diesem Gedanken. Genau genommen gehen 68 Prozent der Österreicher davon aus, dass es heutzutage noch möglich ist, sich nach „oben“ zu arbeiten. Davon sind im Grunde alle soziodemografischen Gruppen überzeugt, keine Untergruppe weicht von dieser Meinung ab.

Auch insgesamt wird die gesellschaftliche Dynamik derjenigen, die den Weg nach oben bahnen, als wichtig empfunden. Für knapp zwei Fünftel ist dies für die volkswirtschaftliche Entwicklung der Alpenrepublik sogar sehr wichtig. Nur wenige sehen aber den eigenen sozialen Aufstieg, also selbst die Zügel des eigenen Lebens und Fortkommens in die Hand zu nehmen, als primäres Lebensziel an. Somit ist im Bewusstsein der Österreicher klar: Es gibt den sozialen Fahrstuhl nach oben. Es ist schwerer geworden und kaum jemand ist bereit, dieses „sich hochzuarbeiten“ auch persönlich in Angriff zu nehmen.

Die Österreicher sind nämlich in diesem Zusammenhang auch der Überzeugung, dass es vor 20 bis 30 Jahren leichter war, den sozialen Fahrstuhl nach oben zu nutzen, um zu Erfolg und Wohlstand zu kommen.

Insgesamt geht rund ein Drittel davon aus, dass es noch keine Chancengerechtigkeit in Österreich gibt. Für drei Fünftel scheint es bereits die gleichen Möglichkeiten für alle gesellschaftlichen Schichten zu geben. Die Ergebnisse erstrecken sich gleichförmig über alle soziodemografischen Gruppen.

Nach Vorlage unterschiedlicher Begriffe zeigen sich folgende als besonders sympathisch: Sicherheit, Gerechtigkeit und Ordnung. Genau genommen ist „Sicherheit“ der sympathischste Begriff der Österreicher, dicht gefolgt von „Gerechtigkeit“. Bildet man mit den abgefragten Begrifflichkeiten zwei Gruppen nach gesellschaftlicher Statik und Dynamik, zeigt sich ein eindeutiges Bild: Der Sicherheitsgedanke (also Stabilität, Sicherheit, Ordnung, Sparen, Gerechtigkeit) überwiegt im Durchschnitt im Verhältnis 69:32 die Drive-Aspekte (z.B.: Wachstum, sozialer Aufstieg, Leistungsstreben).

 

Dokumentation
 
 

Zeitraum der Umfrage: 6. Dezember 2017 – 1. Jänner 2018

Sample:n=1.037 Personen, statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, Quotaauswahl, face-to-face

Archiv-Nummer der Umfrage: 017121

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PDF des vollständigen Reports mit zusätzlichen Charts: Soziale Gerechtigkeit...